Orkanböen am Nordkap

Veröffentlicht auf von Martin Franitza

Pünktlich erreicht unser Schiff Honnigsvog. Einige Passagiere haben einen Ausflug zum Nordkap gebucht. Die Schranke in Skarsvog muss also geöffnet werden. Noch 31 Kilometer bis zum Nordkap. Das Hinweisschild können wir zufällig erkennen. Kaum dass wir die schützende Bucht verlassen haben, trifft uns wie ein Hammerschlag eine Windböe. Der Pulverschnee raubt sie Sicht. Der Wind treibt die Motorräder trotz Gegenlenken dem Straßengraben zu. Noch glauben wir, die Auffahrt zum Nordkap schaffen zu können. Aber an der 12-prozentigen Steigungen hängen sogar die Busse mit den Touristen fest. Die Straße ist nicht mehr zu sehen. Nicht einmal der nächste Orientierungspfosten für den Schneepflug. Im Schritttempo, blind vor Schnee, wagen wir uns irgendwie vorwärts. Das Licht der BMW kann ich nicht mehr erkennen. Und irgendwann fahren wir zwar vorwärts, aber die orkanartigen Böen schieben uns rückwärts. Ich drehe um. Nach einigen hundert Metern finden wir auch Fritz wieder. Er ist mit der BMW schon vorher hängen geblieben. Der Sturm hat sein Gespann wie einen Kreisel gedreht. Die Rückfahrt ist noch schlimmer. Binnen Kürze haben sich Schneewehen über die Straße gelegt. Die erste geht noch. In der zweiten bleibt Fritz bis zu den Achsen stecken. Der Schnee ist hart wie Beton. Nichts geht mehr vorwärts, geschweige den rückwärts. So schnell wir auch versuchen, das Motorrad auszugraben, so schnell bläst der heftige Wind wieder neuen Schnee vor das Gespann. Jeder Versuch, das Gespann durch die Schneewehe zu bringen, schlägt fehl. Wir graben, schieben, drücken, schaufeln und irgendwann wann schaffen wir es doch. Mit dem Kawasaki-Gespann kann ich die Schneewehe einfacher weiter links durchfahren. Da ist der Schnee noch nicht so tief und nach zwei Anläufen sind wir durch. Ein toller Schnitt, eine Stunde für einen Kilometer. Morgen wollen wir einen neuen Versuch starten, sollte das Wetter besser sein. Wir nehmen uns ein Hotel. Dort bekommen wir aus Hamburg die Nachricht, dass unser Schiff weiter nach Kirkenes übermorgen ausfällt. Was nun? Herr Klein von der Hurtigroute in Deutschland kann uns eine Passage für morgen besorgen. Um einigermaßen in unserem Zeitplan zu bleiben, nehmen wir gerne das Angebot an. Nochmal ein Danke-schön nach Hamburg. Werden wir Murmansk erreichen? Sollte der heftige Wind nicht nachlassen, haben wir keine Chance. Ein unkalkulierbares Risiko werden wir nicht eingehen. Das stand von Anfang an fest und daran werden wir auch nicht rütteln. Herr Klein hat uns noch eine Adresse in Kirkenes gegeben. Dort wird man uns mit verbindlichen Aussagen über die Straßenverhältnisse geben. Mal sehen, was auf uns zukommt.
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kornelia 03/03/2009 10:02

Hallo aus Plattling,
übermitteln euch die besten Grüße und alles Gute von den Eltern. Ich bringe ihnen immer eure Reiseberichte. Wir wünschen euch, dass die Reise weiter gehen kann.
Good luck kornelia

Thomas Hellmoldt 03/02/2009 21:31

Hallo Ihr 4,
ich finde es toll, dass Ihr dieses Abenteuer angepackt habt ! Im Januar war das Wetter in Norwegen mit uns gnädiger, gut so:-). Ich wünsche Euch weiterhin eine Gute Reise ( für 5 min./tag bin ich dabei und freu mich :-) und gutes heimkommen
Thomas